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Du bist das, bevor du denkst, was du bist.

  • 19. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Bevor irgendeine Vorstellung auftaucht, bevor ein Gedanke ein Wort formt, bevor du „ich“ sagst, ist bereits alles hier. 

Noch bevor du etwas einordnest oder entscheidest, was dieser Moment angeblich bedeutet, ist da einfach dieses Offene - lebendig und ohne Begrenzung.


Im gewöhnlichen Eindruck klebt meistens sofort etwas daran. Ein Name. Eine Geschichte. Vergangenheit. Pläne.Und es wirkt so, als würde all das zu einer Person gehören, die ihr Leben irgendwie lebt.

Doch wenn diese Geschichte für einen Moment still wird, wird es sichtbar. 

Nichts Neues, eher eine stille Erinnerung. Kein Bild, keine Vorstellung, sondern ein Wiedererkennen von etwas, das nie weg war.


Wie ein ein raumloses Feld, in dem alles auftaucht. Dinge erscheinen, bewegen sich, verändern sich, verschwinden wieder. 

Und das Feld - das, was du bist - bleibt davon unberührt. Nicht distanziert, ganz im Gegenteil: intimer geht es nicht. Alles ist so nah, weil nichts abgewehrt werden muss und nichts festgehalten werden kann. Näher als jede Vorstellung von Nähe.


Genau hier liegt diese radikale Freiheit, nach der so viele suchen. Die Freiheit davon, jemand zu sein, der getrennt ist. Frei von dem Eindruck, jemand Bestimmtes sein zu müssen. Frei von dieser stillen Annahme, eine einzelne Figur zu sein, die sich durch eine Welt bewegt, alles kontrollieren, absichern oder beweisen muss.

Wo kein Zentrum mehr auftaucht, das etwas für sich beansprucht, bleibt alles frei in Bewegung.

Gefühle erscheinen und dürfen da sein, alte Schmerzen zeigen sich und werden sofort vom Ganzen aufgenommen, und selbst ein Gedanke, der behauptet „das bin ich“, löst sich wieder auf wie alles andere auch. Es verschmilzt alles ineinander und wiederum Nichts bleibt kleben. Es gibt nichts, woran irgendetwas hängen bleiben könnte.

Das ist keine Gleichgültigkeit. Es ist eine unvorstellbare Liebe, so weit, dass sie nichts aussortiert. 

Alles darf hier sein - das Schöne, das Chaotische, das Zarte, das Wütende, das völlig Alltägliche -, weil dieses Ganze nichts anderes ist als ein grenzenloses Ja.


Und genau deshalb wird es so leicht übersehen. Die Aufmerksamkeit ist meist auf etwas Besonderes fixiert - einem Durchbruch, einem Zustand, einer Sortierung, einer Bestätigung. 

Der Blick verengt sich, Vorstellungen färben die Wahrnehmung. 

Dabei ist das Offensichtliche unmittelbarer als jede Idee darüber. Freier. Grenzenlos. Es hat keinen Mittelpunkt. Keine feste Form. Keinen Besitzer. 

Das Ganze, Du, ist weit großzügiger, als der Gedanke es je sein könnte.


Du bist nicht “Jemand“ im Leben. Du bist das, worin Leben auftaucht. 

Es ist dieses direkte Geschehen, das gerade passiert.

Frei, weil nichts fest ist. 

Weit, weil nichts außerhalb liegt. 

Aufregend, weil nichts begrenzt ist. 

Still und gleichzeitig voller Bewegung. 

Alles erscheint darin und verschwindet wieder. Nichts steht außerhalb davon, nichts ist jemals getrennt. 

Alles berührt alles, alles durchdringt sich gegenseitig.

Grenzenlos nah - so nah, dass kein Abstand entstehen kann.


Du bist das - bevor irgendein Gedanke versucht, dich kleiner zu machen.

 
 
 

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